12. Januar – 15. März 2012

„A João Guimarães Rosa“ - Maureen Bisilliat

MIT DEM BILD SCHREIBEN UND MIT DEM WORT SEHEN

„A João Guimarães Rosa“ – Fotografien von Maureen Bissiliat

In Zusammenarbeit mit der weltbekannten Stiftung Instituto Moreira Salles (IMS) aus Brasilien stellt die Stiftung Brasilea dem schweizer Publikum zum ersten Mal eine Auswahl des fotografischen Werkes der renommierten Fotografin Maureen Bissiliat vor.

Das IMS besitzt die größte private Fotosammlung Brasiliens (insbesondere den Fonds Marc Ferrez) und verwaltet seit Dezember 2003 das komplette Archiv der Fotografin Maureen Bissiliat mit mehr als 16‘000 Negativen.

Maureen Bissiliat, geboren 1931 in Englefield Green, Surrey, England lies sich nach abgeschlossenem Studium in Paris und New York in Brasilien nieder. Zwischen 1964 und 1972 arbeitete sie als Fotoreporterin bei dem Zeitschriftenverlag Editora Abril. Ihr fotografisches Werk überschreitet die Grenzen der Dokumentar-Fotografie. Maureen Bissiliat porträtiert Land und Leute Brasiliens, mit ausdruckstarkem Licht-Schatten Dramaturgie. Sie ist fähig die innere Seele des Motivs zu durchdringen und zu offenbaren.

Die aktuelle Ausstellung im Gebäude der Stiftung Brasilea zeigt eine Fotoserie, welche sich an eines der grössten literarischen Werke Brasiliens anlehnt: „Grande Sertão: Veredas“ von dem weltberühmten Schriftsteller João Guimarães Rosa (* 1908, † 1967), erschienen 1956. Das brasilianische Nationalepos ist die Erzählung eines Grundbesitzers, der einem Gast von seinem einstigen wilden Leben im Sertão, der Hochsteppe im Nordosten Brasiliens, beschreibt. Es ist die Schilderung des Lebens eines Gesetzlosen, der als Jäger und als Gejagter das Land durchstreift, kämpft, raubt und tötet, immer im Bewusstsein unheimlicher Mächte, die ihn umgeben, ohne dass er ihre Existenz ergründen kann. Er schließt seinen Bericht mit der Feststellung, dass es diese Mächte - den Teufel - nicht gibt; es gibt nur den Menschen, der seine Versuchung in sich selbst trägt.

João Guimarães Rosa nutzt eine Sprache, die den Geist der Sertanejos, des eingeborenen Volkes, wiederspiegelt. Er durchdringt die halbwüstenartige Landschaft, welche Menschen, Tier und Natur formen und plagen.

Während Guimarães Rosa die eindrückliche raue Natur und das Volk des Sertão mit dem Wort malt, beschreibt und übersetzt Maureen Bissiliat sie mit dem Bild. Maureen Bissiliats Fotos geben dem Gebiet des Sertão eine Seele, welches auf den ersten Blick keine Seele zu besitzen scheint. In ihnen ergibt sich für uns die Möglichkeit, Präsenz, Hitze, Trockenheit, Feuchtigkeit, Licht und sogar Farbe zu spüren, auch wenn diese Fotografien schwarz-weiss sind. Es scheint, als könnte man sogar den Windhauch spüren. Ihre Arbeit ist malerische Fotografie, gleichzeitig literarische Poesie und Prosa.

Die Ausstellungseröffnungs-Fotografie wird von Maureen Bissiliat mit folgendem Satz bezeichnet:

Eu sou donde eu nasci. Sou de outros lugares.“

(Ich stamme daher, wo ich geboren wurde. Ich stamme von anderen Orten.)

Dieser Satz bezieht sich auf den erfundenen Protagonisten Manuel Nardi, ein schweigsamer Herr, mit steifem Blick, der zwischen Fiktion und Realität steht. Genau das ist es, was Bissiliat zu Guimarães Rosa hinzieht: Bilder, bei denen sich Fiktion und Realität vermischen und nicht mehr klar erkennbar sind. Ihre Fotografien sind keine banalen Aufnahmen des Gesehenen, sie gehen über in die Welt der Erzählung, der Literatur, der Fiktion.

Maureen Bissiliat wendete sich in den 80er-Jahren der Videokunst zu. Ihre Videoaufnahmen tragen die gleiche Reinheit, Direktheit und Poesie, wie ihre Fotografien. Der Dokumentarfilm „Xingu Terra“, eine Produktion von Maureen Bissiliat in Zusammenarbeit mit Lucio Kodato, wird im unteren Geschoss der Stiftung Brasilea während der ganzen Ausstellungszeit gezeigt. Der Film wurde im Dorf Mehinaku im Gebiet des Alto Xingu gedreht und ist eine umfassende Darstellung der Vorbereitungen, der Bräuche, der Lebensweise des indianischen Volkes für das Fest der „Yamaricumã“. Die Fest-Zeremonie ist die Wiederbelebung einer mütterlichen Legende, in der die Frauen für einen Tag wie Männer leben und kämpfen. Stolz, hochmutig und unüberwindbar, diese Frauen sind Schatten eines kämpfenden Stammes, der vom Aussterben bedroht ist. Filmdauer 83 Minuten.

Die Ausstellung bietet zudem Einblick in wertvolle Schriftwerke zum Ausstellungsthema. Ein umfassender Retrospektive-Bildband über Bissiliats Arbeit, der im Oktober 2009 in Brasilien veröffentlicht wurde, kann während der Ausstellung vor Ort ebenfalls besichtigt und erworben werden.

Bem-vindo - herzlich Willkommen!

Stiftung Brasilea

Ausstellungsdauer: 12. Januar, bis 15. März, 2012

Eintritt frei

Künstler dieser Ausstellung

Veranstaltungen zur Ausstellung

http://ims.uol.com.br