21. Januar – 03. März 2016

Claudia Jaguaribe

Vom 21. Januar bis 3. März zeigt die Stiftung Brasilea Werke der brasilianischen Künstlerin Claudia Jaguaribe. Geboren in Rio de Janeiro und wohnhaft seit den 1990er Jahren in São Paulo, sind ihre Werke von den Einflüssen der urbanen Metropolen auf das rurale Umfeld geprägt. Stark beeinflusst von den aktuellen sozialpolitischen Themen unserer Zeit spiegelt sich die Dichotomie Urbanität und Natur in ihren Arbeiten wieder. Ihre Arbeiten zeigen das Spannungsverhältnis zwischen dem städtischen Wachstum und der Landschaft und wie die Stadt den Stadtraum und die Natur um sie herum verändert. Es ist keineswegs die Absicht der Künstlerin, die Realität zu dokumentieren.

Claudia Jaguaribes Werke basieren auf fotografischen Techniken, Videoinstallationen und dokumentarischer Arbeit. Es ist der Versuch, die Aufnahmen mit einer Diskussion über die eigene Sprache der Fotografie zu bereichern.

Die Übergänge der angewandten Methodiken sind fliessend. Dies ist ein Nukleus ihres Schaffens: das Verschwimmen der Konturen, die Abgrenzungen und die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sie arbeitet mit der Urmaterie Natur als gegebene Realität - und der Wahrnehmung dieser durch die Menschen. Die Art der Wiedergabe verzerrt die Realität bereits und entfremdet sie durch einen neuen Kontext. Zum einen beeinflusst durch ihre eigenen Erfahrungen, die den (gewünschten) Rahmen der Wahrnehmung kreieren. Zum anderen durch das Auge und die Auffassung des Betrachters, der wiederum seine persönliche Perzeption einbringt.

Claudia Jaguaribes Serie „Topografias“, die unter anderen in der Stiftung Brasilea gezeigt wird, ist ein Beispiel ihrer Arbeitsweise des Mischens von Dokumentation und Schöpfung. Sie manifestiert sich in der Grauzone zwischen dokumentarischer und konstruierter, fotografischer Produktionstechnik. Durch die Zusammensetzung der einzelnen Azulejos zum komplexen Gesamtwerk, erscheint dieses dem Betrachter als eine fotografische Abbildung der Realität, ist aber eine fiktive, fotografierte Komposition. Azulejos sind in Fliesen unterteilte, grossformatige Flächen, einem Mosaik ähnlich und stammen aus dem portugiesischen Erbe.

Das Konzept der Ausstellung untersucht auf drei Etagen die verschiedenen bildlichen Ansätze zu den Themen Natur und Urbanität und wie sich diese in verschiedenen Formaten aufeinander beziehen.

Im Sockelgeschoss wird die puristische Natur auf einem grossen Wandbild mit überdeckten Flächen gezeigt und diese grafischen Störungen repräsentieren die Abholzung. Im Hochparterre wird die Urbanität der Stadt Rio de Janeiro in verschiedenen Perspektiven erörtert und die Beziehung zwischen dem Städtischen und der Natur sowohl in der Serie „Entre Morros“ als auch in der Serie „Topografias“ untersucht. Die beiden weiteren ausgestellten Serien sind: „Homenagem a Hélio“ - Fundstücke von Baumaterial aus Favelas werden zu Skulpturen transformiert und „Cactoceae“ - frei gestellte Kakteen auf Azulejos dienen als Kritik an der Erderwärmung und der damit einhergehenden Wüstenbildung der brasilianischen Landschaft. Als Abschluss werden im 1. Obergeschoss die Bücher der Künstlerin zusammen mit der Serie „Bibliotecas“ ausgestellt. Fotografien täuschen eine reale Bibliothek vor, in der die Bücherrücken von Wäldern bedeckt sind und als Anspielung auf die Erinnerung an den zu erhaltenden Wald dienen.

Daniel Faust, Direktor