08. April – 20. Mai 2010

Land of Escaping Thoughts

MIRIAM HOMEM DE MELLO - FOTOGRAFIE

Ich bewege mich in der Stadtlandschaft und bezweifle, dass sie Wirklichkeit ist. Ich kann nicht glauben, dass das Leben tatsächlich existiert. Ich schätze, dass die Welt das Gleiche über mich denkt. Es ist eine Beziehung des absoluten Misstrauens.

Ich habe mir angewöhnt, die Strassen genau zu beobachten, in denen ich imaginäre Szenen und Landschaften sehe. Existieren sie überhaupt? Habe ich sie entworfen? Sehen andere Personen das Gleiche?

Es ist nicht von Bedeutung, da mich alles gleichermassen erfreut. Ich stehe mit den Szenen und Landschaften in der gleichen Verbindung, wie mit Personen, die sich mir nähern, um mich zu grüssen, um sich zu beklagen oder zu nörgeln, oder sogar, um mich zu verunsichern, dass wir uns bereits begegnet sind.

Nein, ich kenne sie nicht und sie kennen mich auch nicht. Wir leben in der allgemeinen Isolierung, durch sich hin- und herbewegende Blasen, die sich gelegentlich treffen, ohne dass wir unsere Komfortzone verlassen müssen.

Durch die Fotografie erlernte ich eine neue persönliche Dimension der Gestaltung. Mein Verhältnis zur Welt wird jetzt unweigerlich durch diese neuen Parameter geprägt.

Alles ist eine Frage der Umrahmung, des Blickwinkels, der Zoomintensität oder der chromatischen Korrektur. Das Banale erscheint dadurch nobel und umgekehrt. Als ob die Wirklichkeit nicht länger zwangsläufig ist, sondern lediglich eine Frage meiner Auswahl.

Durch Ausschnitt und Zoom erschaffe ich eine sehr präzis gewählte Umrahmung, welche mein urbanes Leben bereichert und realer erscheinen lässt.

 

ALFREDO TAKASHI HISA - VIDEO

Die Serie „Die Lücke der einfachen Gedanken“

Die Routine ermöglicht durch gedankliches Abschweifen den Übergang in eine fruchtbare Welt der einfachen Gedanken.

In unserer täglichen urbanen Routine kollidiert der Optimismus, viele Aktivitäten in einen einzigen Tag packen zu können, mit unvermeidbaren Verspätungen.

In den Strassen bewegen sich die Personen und Verkehrsmittel sehr hektisch und sind unentwegt damit beschäftigt, ein vorgegebenes Ziel nach dem anderen zu erreichen.

Trotz unserer allgegenwärtigen Zeitlimitierung kann uns nichts daran hindern, unseren täglichen Gedanken und Träumen für einen Moment freien Lauf zu lassen. Ob im Verkehr, an der Ampel, an der Bushaltestelle oder auch zu Hause, dies ist jederzeit sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum möglich.

Aus diesen Gedankengängen resultiert meine künstlerische Auseinandersetzung. Diese Lücke ist für mich ein Tor zum Universum, in dem die Phantasie erwachen kann.

Die Videos der Serie „Die Lücke der einfachen Gedanken“ zeigen allmählich verschwindende Alltagsszenen mit unerwarteten Eingriffen im urbanen Umfeld. Ich habe mir erlaubt, die tägliche Härte durch Poesie aufzubrechen.

Die Videos sind alle aus dem Blickwinkel eines Fussgängers digital aufgenommen. Die Eingriffe wurden am Computer entwickelt.

Künstler dieser Ausstellung