18. Oktober – 15. November 2007

Maria Dundakova - "Hey Wave!"

Die Basler Künstlerin Maria Dundakova (geboren 1939 in Sofia, Bulgarien) zielt mit ihrem Werk auf den Dialog

zwischen Ereignissen aus der Natur und dem urbanen Raum. Alle ihre Projekte fördern und feiern die Interaktionen

zwischen Menschen, Medien und Momenten. Als unsichtbare Meisterin des Atmosphärischen arbeitet sie abseits des

Kunstbetriebs an zyklisch ausgerichteten Projekten, so etwa an „Communication Art“ (1975),

„Der Weg der Schamanen“ (1983), „Le Sacre du Printemps“ (1986), „Das Bauernhausprojekt“ (1989) oder auch am

poetischen Grossprojekt „Sun Rite" (seit 1991), das als „Form im Fluss“ etwa das Teilprojekt „Baptisme“ umfasst.

Die Rauminstallation „Sun Rite – Baptisme“ mit der Beteiligung des Schweizer Musikers Bruno Spoerri und der

brasilianischen Tänzer Carlos dos Santos und César Volpe wurde 1991 an der Biennale von São Paulo von der Kritik

zu den zehn besten Arbeiten erkoren. Anlässlich der UNO-Umweltkonferenz von 1992 in Rio hätten 1000 Menschen in

der Nacht am Strand von Copacabana ins Meer steigen sollen (Projekt blieb aus Sicherheitsgründen unrealisiert).

Im Kunstmuseum von Rio de Janeiro realisierte die Künstlerin stattdessen die Ausstellung „Ein Mensch und eine Welle“.

Dundakovas aktuelle Ausstellung „Hey Wave!“ in Basel führt diese damals begonnene und kontinuierliche fortgesetzte

Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur Brasiliens zu einem neuen Höhepunkt in ihrer künstlerischen Entwicklung.

 

Die großformatige Wandmalerei im Erdgeschoss erinnert durch die Abstufungen der Farbe Blau an einen Fluss als Metapher

für das Leben und die Vergänglichkeit. Durch die eingefügten Farbfotos von urbanen Welten und die monochromen

Klangbildern kommt, wie an Flüssen, Bewegung in unsere Gedankenwelt. Diese Farben und Formen im Fluss verkörpern die

Ruhelosigkeit des modernen Menschen. Mit dem Rhein im Rücken und dem Blick auf Maria Dundakovas Wandinstallation

erinnern sich die Besucher an das „alles fließt“ bzw. „alles strömt, und nichts dauert“ von Heraklit.

Wenn jedoch „alles fließt“, dann ist der Mensch in eine große Leere gestellt, die paradoxerweise zugleich ein Meer an

Möglichkeiten bietet, weil alles gleichzeitig existiert. Er befindet sich abseits von Links und Rechts,

von Oben und Unten, von Gut und Böse und von Wahr und Falsch. Jeder Widerspruch löst sich in einer fließenden Welt auf,

alles wandelt sich. Das heißt auch, dass der Mensch sich selber ebenso rätselhaft ist wie der Fluss, an dem er steht.

 

Wenn der Fluss von der Quelle bis zum Meer als reißender Strom in die Ewigkeit erscheint, kreiert die Künstlerin

Maria Dundakova mit ihrer Lebenssphäre (Lifescape) aus Fotografien, Klang und Video im 1. Stock eben diese Faszinationen

für das Unendliche, indem sie die „Liebesbeziehung“ zwischen einem Mann und einer Welle präsentiert. Eine mehrteilige

Fotoserie zeigt einen Mann, wie er als Buddha auf einem Stein sitzend den Meerhorizont anblickt.

Der Körper des Performers interagiert mit dem Wasser als Welle, Rausch, Chaos, Leben und Klang. Der Sonnenaufgang

verwandelt den Körper in einen Schatten, der wie die Silhouette eines ruhenden Tänzers wirkt. Stille und Bewegung

treten in Harmonie zueinander. Der Performer nimmt eine ökologische Position ein, denn indem er hört und lauscht,

sensibilisiert er dadurch seine Wahrnehmung für die Umwelt nach dem Motto „Respect for Life“.

Großformatige Fotografien mit ausdrucksstarken Motiven greifen das Thema „Ein Mann und eine Welle“ insofern auf,

als sie Zusammenstrebendes und Auseinanderstrebendes miteinander in Wechselwirkung versetzen. Die beiden im Raum

wirkenden Klangkorridore bringen Soundspuren von den Wellen an der Küste Brasiliens mit urbanen Klangwelten in

Verbindungen, was zu einem spannungsreichen Zusammenklingen und zugleich Verschiedenklingen führt. Die Besucher

erfahren Naturklänge als sinnliches Erlebnis. Eine Videoinstallation zeigt schließlich nochmals den Tänzer

Carlos dos Santos im ausgelassenen Spiel mit dem Meer, den Wellen und dem Sand. Er hüpft, springt und rollt, Figuren,

Berührungen und Gesten entstehen aus dem Repertoire einer modernen Tanzkultur in Brasilien. Maria Dundakova zeigt

durch den Film, wie schwierig es ist, die Körpersprache der Natur bzw. des Ozeans mit derjenigen des Menschen

kommunizieren zu lassen. Ein Wagnis, das nur wenige Künstler angehen. Dundakova spricht von einem Dialog des Menschen

mit seinem Lebensraum, von einer Choreografie des Lebens, welche die natürlichen Lebensrhythmen feiert.

 

Paolo Bianchi

Künstler dieser Ausstellung