13. Juni – 18. Juni 2016

Saint Clair Cemin - Skulpturen

Es gibt Künstler, für welche die Welt und ihre Mythen scheinbar nicht gross genug sind. Auch wenn nicht von der Hand zu weisen ist, dass die kleine Landgemeinde Cruz Alta – Stadt der brasilianischen Gauchos (*) – diesem Bildhauer von Geburt an eine enorme Ausgeglichenheit und Ruhe geschenkt hat, sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Saint-Clair Cemin besitzt die Gabe der Allgegenwart und einen unbändigen Appetit. Auf der Flucht vor den Zwängen der Militärdiktatur waren die Pariser Schulen für bildende Künste nur ein Zwischenstopp für ihn, ehe er schliesslich New York erreichte. Er beherrscht fünf Sprachen und unterhält Ateliers in den USA, Peking (China) und der Bourgogne (Frankreich). Darüber hinaus hat dieser offenbar rastlose Künstler auch nicht gezögert, sich in Ägypten niederzulassen, als er das Bedürfnis danach verspürte, und man kann ihn jedes Jahr in Griechenland treffen, wo es ihm zweifellos gefällt, in Erzählungen zu alten Legenden einzutauchen.

Diese Wiss- und Lernbegierde sowie diese grosszügige und neugierige Sichtweise spiegeln sich selbstverständlich in seinem gesamten, atypischen Werk wider, dessen Ironie immer nur einen Schritt weit entfernt ist. Die einzige Konstante besteht darin, dass Saint-Clair Cemin unbestreitbar ein grosser Bildhauer ist. Nach der Verführung durch den Surrealismus und dem Schock der Entdeckung des Werks von Joseph Beuys wählte er den grossen rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi als Mentor. Ebenso wie Letzterer ist Saint-Clair Cemin ein wahrer Plastiker! Für ihn sind Skulpturen (und das Leben) etwas, das man formt. Es ist eine direkte Methode der bildenden Kunst. Er zögert jedoch niemals, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, und schreckt auch nicht vor neuen Erfahrungen zurück, indem er selbst mit den edelsten Werkstoffen (Marmor, Bronze, Holz usw.) spielt – ohne allerdings recycelte und neuartige Materialien ausser Acht zu lassen.

Dieses Nebeneinander der Materialien geht Hand in Hand mit dem «Kannibalismus», mit dem er der Kunstgeschichte und insbesondere der Bildhauerei begegnet. Traditionen aus aller Welt scheinen in seinem Werk eine Metamorphose zu durchlaufen und mischen sich oftmals mit Verweisen auf antike Mythen. Er versteht es, weltweit Sprachelemente zu finden, die für alle verständlich sind – welchem Kulturkreis sie auch angehören mögen. Er erinnert gerne daran, dass Sprache das Leben nicht zu fassen vermag. Deshalb gefällt es ihm, seine bildhauerischen Visionen sichtbar zu machen. Er weiss nicht, was der Begriff «normal» bedeutet. Seine überbordende Fantasie arbeitet also mit allen möglichen Realitäten.

Diese Ausstellung bietet ein Kunstpanorama mit zahlreichen Originalskulpturen von 1995 bis 2012 sowie einigen Zeichnungen, die dem Publikum die Gelegenheit bieten, mit diesem grenzenlosen Künstler auf Reisen zu gehen.

Marc Pottier, Kurator

(*) «Gauchos» nennt man die südamerikanischen Cowboys und die Einwohner des brasilianischen Bundess- taates Rio Grande do Sul.

 

Ausstellung

13. & 14.6.2016     auf Voranmeldung

15. - 18.6.2016     12:00 - 19:00