14. September – 20. Dezember 2013

Zezão

Zezão, mit bürgerlichem Namen José Augusto Amaro Capela, begann in den 90ger Jahren in São Paulo mit Graffitis den Untergrund zu erobern. Durch die Kunst von Jean-Michel Basquiat angeregt und motiviert, sah sich Zezão legitimiert mit seiner Kunst die gewohnten Wege zu verlassen und neue zu beschreiten. Er arbeitete in Kanalisationen, Abwassergullis, im Schutt verlassener Hausruinen, in verkommenen Sackgassen und dunklen Zwischenräumen unter Viadukten und machte so aufmerksam auf ein Grosstadt-Szenario, das viele Menschen gar nicht wahr haben wollen.

Etwas später erweiterte er sein Wirken: er nahm Alltagsgegenstände aus dem Abfall auf und schuf für sie ein neues Dasein indem er sie schöpferisch zusammenbaute und bemalte. Bis heute verwendet er für seine Collagen aus Holz Fundstücke von der Strasse wie Absperrungsholz von Barrikaden in São Paulo, oder benutzt als Grundlage alte „Kostbarkeiten“ wie Spiegel, Tabletts, Autotüren, Bettgestelle,…

Stets hinterlässt er sein Kennzeichen, seine blaue, abstrakte Handschrift, entstanden aus der Zeichnung des Wortes vício – Sucht – auf den runtergekommenen, abgelegenen Flächen und greift damit ein in das scheinbar wahre Leben, und bringt damit ans Tageslicht, was ohne seine Kunst keine Beachtung findet, was keiner sehen will. So taucht er mit delikaten Farbtönen und Formen in eine chaotische Unterwelt, dringt in den unterirdischen Raum ein und als Gegensatz dazu belebt er dessen rohe Wände in zarter, durch und durch blauer Präsenz.

Kunst in der Nähe von Müll, Hundekadavern und zerbrochenen Möbelstücken, am Rande der Gesellschaft – Zezão weckt den Dialog zwischen Unterwelt und Oberfläche, um debattiert zu werden.

Wenn Müll (bras: lixo) zu Luxus (bras.: luxo) wird – hier setzt Zezãos Werk ein. Es enthält politische, soziale Aspekte und solche, die sich auf die Umwelt beziehen. Denn seine Verbindung mit runtergekommenen Gegenden, abrissreifen Gebäuden, verschmutztem Wasser, Smog und Dreck, Gewalt, oder die Wiederverwertung von weggeschmissenen Gegenständen, das alles ist eine Art, diese vielfältigen Probleme der Stadt kritisch anzugehen. Es werden dabei wichtige Debatten zu Themen wie Nachhaltigkeit und Recycling angeregt.

Zezãos Werk wird anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Stiftung Brasilea nun erstmalig als Einzelausstellung in der Schweiz gezeigt.

In seiner Heimat Brasilien hatte er bereits zahlreiche Ausstellungen, insbesondere in Rio de Janeiro und São Paulo. Auch zieren seine Graffitis Mauern, Kanalisationen und Viadukte rund um den Globus. Ausgestellt  hat er unter anderem bereits in New York, Hamburg, Prag, London, Florenz, Los Angeles, Paris und Sydney.

Daniel Faust