Dienstag, 17. November 2009 – 19:00 Uhr

HOMMAGE À HEITOR VILLA-LOBOS - 50. Todestag

ZITATE VON HEITOR VILLA-LOBOS

„Ja, ich bin Brasilianer und ein guter Brasilianer. In meiner Musik lasse ich die Flüsse und Meere dieses grossartigen Brasiliens singen. Ich versuche nicht explizit die Artenvielfalt unserer Tropen und unseres Himmels in die Musik einfliessen zu lassen, aber dies passiert instinktiv, sobald ich schreibe.“

„Es gibt drei Arten von Komponisten: Erstens, die Papier-Musiker; zweitens, Musiker die der Mode folgen und Musik komponieren, die andere niemals komponieren würden und schließlich drittens diejenigen, die Musik komponieren weil sie ohne sie nicht leben können.
Ich gehöre zur dritten Kategorie.“

„Die Konzertbesucher gehören fast ausschliesslich der sozialen Elite an, die in Wahrheit und den meisten Fällen keinen Gefallen an Musik finden. Sie folgen dem Genre und dem Author, der gerade in Mode ist.“

KONZERTPROGRAMM

Klavier Solo                    Rudolf Meister

Bachianas Brasileiras n.4 (Suite)
Prelúdio (Introdução)
Coral (Canto do Sertão)
Aria (Cantiga)
Dansa (Miudinho)

PAUSE - EINFÜHRUNG ZU HEITOR VILLA-LOBOS DURCH DR. SIGFRIED SCHIBLI

Brasilianische Lyrik der 40 er und 50 er Jahre wird durch Musik von Heitor Villa-Lobos und seinem Zeitgenosse Waldemar Henrique repräsentiert. Beide waren auf der Suche nach einer starken Inspriration für ihre Kompositionen der brasilianischen Populär- und Volksmusik, die das Resultat der Verschmelzung der afrikanischen, der indogenen und europäischen Kultur in Brasilien ist.

Klavier                    Rudolf Meister
Gesang                   Cecilia Arellano
Flöte                       João Bastos

Canção do poeta do seculo XVII        aus: Serestas
Canção de amor                              aus: Canções da floresta
Cantilena                                        aus: Composições harmonizada por Villa Lobos
Uirapurú                                         aus: Canções Amazônicas von Waldemar Enrique
Rolinha                         
Modinha                                         aus: Serestas
Estrela é lua nova                           aus: Canto fetiche de macumba
Xangô

 

“HOMMAGE À HEITOR VILLA-LOBOS“ - 50. TODESTAG

Villa-Lobos erhielt mit sechs Jahren ersten musikalischen Unterricht bei seinem Vater Raul (1862-1899), einem Bibliothekar an der brasilianischen Nationalbibliothek und Laienmusiker, der ihn das Cellospiel lehrte. Der Cellounterricht wurde später bei dem Cellisten Benno Niederberger fortgeführt. Bei Reisen seiner Familie ins Landesinnere lernte er früh die brasilianische Folklore kennen. In Rio de Janeiro waren es die Choros, die seine Aufmerksamkeit fanden, ein typisch brasilianisches Musikgenre, das von den Chorões genannten lokalen Ensembles für Unterhaltungsmusik gespielt wurde. Nach dem frühen Tode seines Vaters arbeitete er als Cellospieler in Kaffeehäusern und an kleinen Theatern, um 1900 entstanden erste Kompositionen.
Die Meinungen über die Reisen des Komponisten durch Brasilien und angrenzenden Staaten gehen auseinander, vor allem da Villa-Lobos selbst widersprüchliche und sehr unwahrscheinliche Angaben macht. Sicher ist, dass er durch seine Mitwirkung bei Wandertheatern einige nordöstliche Bundesstaaten Brasiliens besuchte und dort die vollständig andere Atmosphäre des ländlichen Brasiliens kennenlernte. Im Gegensatz zu landläufiger Meinung führte Villa-Lobos auf diesen Reisen aber keine systematische Sammlung von Volksliedern durch. Das wenige originale Material, das der Komponist in späteren Werken verwendet, stammt wahrscheinlich aus der Sammlung des Forschers Edgar Roquette-Pinto oder ist anderen Publikationen entnommen. Seine eher unzulänglichen musiktheoretischen Kenntnisse versuchte Villa-Lobos durch Privatunterricht bei Agnello Franca zu erweitern.
Ein einschneidendes Ereignis für Villa-Lobos‘ musikalische Entwicklung war 1913 der Besuch der Ballets Russes unter der Leitung von Michel Fokine, durch den er erstmals mit den französischen Impressionisten und verschiedenen russischen Komponisten in Berührung kam. Ähnlich prägend war der erneute Besuch des Ballets im Jahre 1917, bei dem Werke von Igor Strawinski auf dem Programm standen. Die erste öffentliche Aufführung seiner Kompositionen fand im Jahre 1915 statt. Einen begeisterten Befürworter seiner Musik fand er in Arthur Rubinstein, der 1917 während einer Tournee in Brasilien die Musik von Villa-Lobos hörte. Eine Freundschaft entwickelte sich auch zu Darius Milhaud, der sich zu dieser Zeit in Brasilien aufhielt.
1923 verbrachte Villa-Lobos mit einem Staatsstipendium ein Jahr in Paris, wo er wichtige neue Eindrücke aufnahm und, zurück in seinem Heimatland, einige seiner bedeutendsten Werke schrieb. Von 1927 bis 1930 folgte ein zweiter Parisaufenthalt. In dieser Zeit erreichte er als erster lateinamerikanischer Komponist auch internationale Bekanntheit.
Nach der Rückkehr nach Brasilien arbeitete er für die Regierung Pläne für den Musikunterricht aus. Damit begann auch seine Karriere als bedeutender Musikpädagoge, der die Musikerziehung in seinem Land nachhaltig prägte.
Ein weiterer Schritt zu internationalem Erfolg war der erste Besuch des Komponisten in den USA anlässlich eines Konzerts mit dem Janssen Symphony Orchestra in Los Angeles im November 1944. Ab da hielt sich Villa-Lobos bis zu seinem Tod jedes Jahr in den USA auf, wo er als Gastdirigent die renommiertesten Orchester leitete. In dieser Zeit wurde der Großteil seiner Werke aufgenommen, u.a. mit dem Louisville Symphony Orchestra unter Robert Whitney. Für dieses Orchester schrieb Villa-Lobos die Orchesterwerke Erosão und Alvorada na floresta tropical, die 1951 und 1954 uraufgeführt wurden.
1959 verstarb Villa-Lobos an Krebs. Schon zwei Jahre nach seinem Tod wurden alle seine Werke im Museu Villa-Lobos, das am 22. Juni 1961 in Rio de Janeiro gegründet wurde, gesammelt und aufbewahrt.
Villa-Lobos hat mehr als 2000 Kompositionen in allen traditionellen Formen (Oper, Orchestermusik, Kammermusik, Vokalmusik) geschrieben, unter anderem zwölf Sinfonien, fünf Klavier-, zwei Cellokonzerte und je ein Gitarren-, Harfen- und Mundharmonikakonzert, 17 Streichquartette und drei Klaviertrios. Seine Werke für Gitarre gehören zum Standardrepertoire für Solisten dieses Instruments.
Am bekanntesten und erfolgreichsten sind die 14 Choros und neun Bachianas Brasileiras genannten Werke für verschiedene Besetzungen, in welchen die Inspiration durch brasilianische Folklore direkt zum Ausdruck kommt. In den Bachianas Brasileiras verarbeitete Villa-Lobos brasilianische Volksmelodien in Suiten im polyphonen Stil Johann Sebastian Bachs, der seit seiner Jugend eines seiner bedeutendsten musikalischen Vorbilder war. Weniger bekannt sind die Werke, die stärker in der europäischen Tradition stehen und in denen musikalische Vorbilder aus Romantik, Impressionismus und Neoklassizismus anklingen.