18. January – 08. March 2018

Cybèle Varela - Tropicalismo Remixed

Cybele Varelas erste Retrospektive in der Schweiz umfasst beinahe ganzheitlich, wofür die Stiftung Brasilea in Basel steht: Auswandern und Wurzeln schlagen fernab der Heimat. Darstellen von Erinnerungen Brasiliens, die die Kultur, die Farbenpracht und Lebensfreude transportieren. Abbildungen der beeindruckend schönen Natur Brasiliens und der vielfältigen Bevölkerungsschichten, unter Einbezug von sozio-kulturellen Strömungen und gesellschaftlichen Missständen.

Cybèle Varelas Werk ist eine Betrachtung Brasiliens aus der europäischen Distanz, wo sie den Grossteil ihres Lebens verbrachte. Es ist aber auch gleichzeitig eine Vor-Ort-Betrachtung innerhalb Europas mit brasilianischen Augen. Varelas «Tropicalismo Remixed» ist lateinamerikanische Pop-Art, durchwandert den Surrealismus und bleibt immer durchzogen von europäischen Kulturentwicklungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Schlüsselwerke für Tropicalismo Remixed in Basel sind zwei eigens für die Ausstellung realisierte Schiebe-Spiele,deren Inspirationsquelle mehrere Werke aus den 1960er Jahren sind, wie zum Beispiel "Um passeo feliz" (Museum of Modern Art in São Paulo, 1970). Durch das Fehlen eines Puzzleteils lässt sich die abgebildete Darstellung, die Realität, verschieben und immer wieder anders darstellen. Der Betrachter ist versucht und geradezu aufgerufen, die einzelnen Quadrate zu entwirren und die wahre Abbildung imaginär wieder herzustellen. Surrealistische Pop-Art, die mit dem Betrachtenden Interaktion sucht.

Über 30 Werke verschiedener Mediengattungen werden in Basel präsentiert. Die Ausstellung gliedert sich in chronologische Kapitel, die Varelas Werk auch thematisch strukturieren und für die wichtigsten Schaffensphasen ihrer Kunst exemplarisch stehen. Tropicalismo und Pop Art ihres frühen Schaffens in den 1960er und 1970er Jahren; Figuration narrative und die konzeptuelle Untersuchung dargestellter Wirklichkeiten in den Bildern, Fotografien und Videos der 1970er und 1980er Jahre. Es folgen Selbstportraits der 1970er Jahre bis heute zum Diskurs der Selbstdarstellung in der zeitgenössischen Kunst. Ein weiteres Kapitel widmet sich den brasilianischen Legenden der Cangaceiros – die «Gesetzlosen», durch Armut gewordene Banditen, deren berühmteste Vertreter Lampião und Maria Bonita mit ihrer Ganovenbande sind (1960er–2000er). Die Serie Unkown (2016) schliesst die Ausstellung – eine Reflektion der Künstlerin zu sozialer und persönlicher Fragmentierung und Entfremdung.

Diese Ausstellung in der Schweiz zu präsentieren – wo die Künstlerin selbst 15 Jahre ihres Lebens verbrachte und viele Einzelausstellungen hatte – in unserem, brasilianischen KünstlerInnen gewidmeten, Ausstellungshaus Brasilea, scheint folgerichtig zu sein, wenn man das Werk Cybèle Varelas durchwandert hat.

Es ist den beiden Kuratorinnen Ariane Varela Braga und Valentina Locatelli bravourös gelungen, in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin Cybèle Varela, einen umfassenden Blick auf ihr Werk zu ermöglichen, wie es bisher noch nicht geschah. Ihnen gebührt grosse Anerkennung und Dank. Wir bedanken uns auch bei dem Verlagsteam von Silvana Editoriale in Mailand, welches diesen Katalog kreativ gestaltete und die Übersetzung der Texte in drei Sprachen meisterte. Ein ganz besonderer Dank gilt der artEDU Stiftung, welche die Ausstellung Cybèle Varela: Tropicalismo Remixed und diese begleitende Publikation durch ihre finanzielle Unterstützung realisierbar machen.

Daniel Faust, Direktor Stiftung Brasilea

 

With the generous support of:

artEDU Stiftung