18. July – 17. August 2006

Pierre Fatumbi Verger - "Schwarze Götter im Exil"

Schwarze Götter im Exil

 

Fotografien von Mario Cravo Neto und Pierre Verger

Ausstellung und Begleitprogramm in Berlin, Frankfurt a.M.,

Stuttgart, München, Leipzig, Bremen

 

Veranstalter: Pierre Verger Stiftung (Salvador de Bahia) und das Forum

des Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für

Völkerkunde München, dem Museum der Weltkulturen Frankfurt a.M.,

dem Ethnologisches Museum Berlin Dahlem, dem Museum für Völkerkunde

zu Leipzig, dem Linden Museum Stuttgart, dem Überseemuseum Bremen,

dem Verlag Das Wunderhorn und den Goethe-Instituten in Brasilien

2004/2005

 

12 Millionen afrikanische Sklaven sollen nach UNESCO-Studien von

Europäern in die sogenannte Neue Welt verschleppt worden sein.

Das kollektive Gedächtnis an diesen größten Menschenraub der Geschichte

wurde in rituellen Praktiken wie den brasilianischen Candomblé,

dem haitianischen Voodoo und der kubanischen Santeria wachgehalten.

Dieser transatlantische Menschenhandel setzte eine weltweite

Wanderbewegung in Gang, deren Auswirkungen mittlerweile die

nordamerikanischen und westeuropäischen Metropolen erreicht haben.

Dieselben Gottheiten, die einst in Sklavenschiffen den Atlantik

überquerten, flüchten heute in Notunterkünfte und Asylantenheimen

des Nordens.

Kein Fotograf des 20. Jahrhunderts hat die wechselseitigen Beziehungen

im transatlantischen Dreieck so umfangreich erforscht und dokumentiert

wie Pierre Verger (1902 - 1996). In seiner Wahlheimat Brasilien und

darüber hinaus in ganz Lateinamerika gilt Verger seit langem als einer

der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

 

Für 2004/5 planen die Veranstalter die erste Ausstellung in Deutschland

mit größtenteils unveröffentlichten rund 350 Fotografien, zahlreichen

Essays und Interviews auf Tonträgern und in Videoformat.

Der brasilianische Musiker und jetzige Kulturminister Gilberto Gil,

der dem Fotografen lange Jahre freundschaftlich verbunden war und

sein Werk in einem viel beachteten Film dokumentiert hat,

möchte für dieses Projekt die Schirmherrschaft übernehmen.

 

 

Ein interdisziplinären Rahmenprogramm aus Filmen (black american cinemas),

Literaturwerkstätten mit Autoren der zweiten und dritten Einwanderergeneration

sowie Tanzperformances, Diskussionspodien und Workshops mit Jugendlichen,

soll die Aktualität Vergers für die europäische Ethnologie und die

Gesellschaftswissenschaften herausstellen und zu einer neuen Wahrnehmung

der kulturellen Verflechtungen zwischen Europa, Afrika und den Amerikas beitragen.

In dieser ersten umfangreichen Darstellung des Werkes Pierre Vergers in

Deutschland werden die Ansätze der europäischen Ethnologie des 20. Jahrhunderts

einer kritischen Revision unterzogen.

Die Ausstellung wird von einem deutsch-brasilianischen Beirat unter Mitarbeit

von Mario Cravo Neto – international bekannter Fotograf,

Freund und Schüler Vergers künstlerisch und kuratorisch betreut.

 

Verger näherte sich den afroamerikanischen Gesellschaften nicht mit

wissenschaftlich-distanziertem oder exotisch-verklärendem Blick.

Sein analytischer Blick erkannte in kulturellen und religiösen Synkretismen

aktuelle Strategien der Konfliktbewältigung und Identitätsfindung,

der Aneignung einer eigenen Moderne in den Schwarzen Amerikas.

Die Botschaft und Kritik des Europäers Verger an seiner alte Heimat könnte heute

zu einem neuen Verständnis von Kultur und Rasse, multiethnischer und multireligiöser

Gesellschaften führen, die politischen Angstszenarien von einem zukünftigen,

überfremdeten Europa’ entgegenwirken.

 

Zur Frankfurter Buchmesse 2004 wird der Verlag „Das Wunderhorn“ den ersten Fotoband

zu Pierre Verger in Deutschland vorstellen.

Er ist als Katalog für die Ausstellungstournee konzipiert.

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