16. abril – 14. maio 2009

Getúlio Damado - "Brasilianische Bodenschätze"

Getúlio Damado wurde am 2. Mai 1955 in dem kleinen brasilianischen Dorf Minas Gerais geboren.

Die erfolglose Suche nach Arbeit in seinem Heimatort führt ihn 1971 nach Rio. Dort arbeitete

er als Hilfskraft in einem Supermarkt, bis er aus seinem ehemaligen Hobby seine heutige

Existenz aufbauen konnte.

Seit nun schon dreiundzwanzig Jahren ist sein Arbeitsplatz das “Atelier Bronzolandia”.

Es liegt direkt neben der Strasse, die nach Santa Tereza, einem malerischen Hügel mitten in Rio,

führt. Er arbeitet in einer von ihm selbst erbauten Straßenbahn, die man weltweit von Postkarten

als die so genannte “Bonde” kennt.

 

Einen Grossteil seines Rohmaterials erhält er von Bekannten und Anwohnern aber er sammelt auch

selbst „Abfälle“, denn das ist Teil seines Schaffens. Er interessiert sich wenig für andere

Künstler und er möchte auch niemanden kopieren. Die berühmte Keramiktreppe von Selaron,

die etwa 1000 Meter von seinem Haus entfernt ist, kennt er wohl, der Künstler Selaron selbst

ist ihm jedoch kein Begriff.

 

Die Bewertung seiner Arbeit durch die Öffentlichkeit ist kontrovers diskutiert. Auf der einen

Seite wird er heute als Künstler geachtet, der in Museen vertreten ist und der vom Erlös seiner

Arbeiten lebt. Andere Stimmen kritisieren seine Arbeiten und interpretieren die Arbeit vom

„Puppenmacher“ als ein reines Handwerk.

Für Getulio selbst ist es nicht wichtig, ob man ihn als Künstler, Kunsthandwerker oder als

Lumpensammler (Catador) wahrnimmt.

Mit seinen Werken möchte er seinen Teil zur Verbesserung der Welt beitragen.

Er genießt seine Arbeit, sein Familienleben und er genießt mittlerweile auch das Interesse der

Medien an seiner Arbeit. Darauf, dass einige Museen seine Werke ausstellen, ist er sehr stolz.

Seine Arbeiten findet man inzwischen im « Museo Naticional das Belas Arte » und im Museu da

Folclore » in Brasilien.

Sogar in Büchern wird sein Kunstschaffen bereits abgebildet und bleibt dadurch für nachfolgende

Generationen erhalten so wie in « Anonimos Famosos » (2002) und „Em Nome do Autor“ (2005).

Von vielen brasilianischen Fernsehsendern wie dem TV Globo und TV Cultural, wird er immer wieder

einem breiten Publikum präsentiert. Darauf, dass Persönlichkeiten, wie der brasilianischen Musiker

und Autor Chico Buarque, seine Arbeiten besitzen, ist der Künstler stolz. Auch die Tatsache,

nun in der Stiftung Brasilea in der Schweiz ausstellen zu können, ehrt ihn sehr.

 

Sein Leben in der kleinen Werkstatt ist einfach und er lebt bescheiden vom Verkauf seiner Werke

an Touristen, die ihn möglicherweise nicht wirklich ernst nehmen. Das kümmert Getulio wenig und

er möchte auch in Zukunft noch viele bunte Puppen kreieren, die alle ihren ganz eigenen,

individuellen Charakter haben.

 

Eine kleine Episode:

Ein Tourist sah zu, wie Getulio Demato gerade eine Puppe herstellte, welche dem Touristen so

sehr gefiel, dass er sie sofort kaufen wollte. Getulio aber sagte, dass dies leider nicht möglich sei,

was den Touristen sehr verwunderte. Getulio Demato begründete seine Antwort dadurch, dass er die Puppe

schon anderweitig versprochen habe, nämlich einem kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft.

 

 

Aufgezeichnet in Rio im Februar 2009 von Peter Furger.

Artistas