18. janeiro – 15. março 2007

Oscar Niemeyer - "Eine Begegnung"

Mit bald 99 Jahren ist Oscar Niemeyer einer der letzten lebenden Grossmeister der modernen Architekturgeschichte.

Sein Oeuvre umfasst mehr als 500 Bauwerke und Projekte vor allem in seiner Heimat Brasilien, aber auch in Frankreich, Algerien, in den USA, in Italien und Deutschland. Am bekanntesten sind seine Werke für Brasília geworden.

Den Wettbewerb für die neue Hauptstadt Brasiliens gewann er 1956 zusammen mit dem Stadtplaner Lúcio Costa. Bis 1970 entstanden die monumentalen, wegen ihrer Offenheit und besonderen Symbolkraft vielgerühmten Repräsentationsbauten rund um den Platz der drei Gewalten – darunter der Nationalkongress, der Präsidentenpalast und der Oberste Gerichtshof.

Von der dynamischen Berg- und Flusslandschaft Brasiliens geprägt, sowie die Formbarkeit des Betons ausnutzend, hat Niemeyer eine grandios plastische Formensprache entwickelt, die durch raumgreifende, organische Konturen und Volumina besticht. Damit hat er sich als einer der wenigen Architekten der Moderne vom Dogma des orthogonalen Rasters befreit. Seine Architektur ist heute – in einer Zeit in der Architekten zunehmend mit amorphen Formen und Strukturen experimentieren – moderner denn je.

Zahlreiche Fotografien, eine Portraitserie, eine Installation, vier Filme (davon wird einer zum ersten Mal gezeigt) und Vorträge an fünf Abenden geben einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Architekten, vor allem auch in seine Art zu denken und zu entwerfen.

Der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer, geboren 1907, gehört zu den Klassikern unter den Architekten des 20. Jahrhunderts. Er arbeitet seit über 75 Jahren kontinuierlich an seiner eigenen Architektur. Seine Arbeit besitzt eine Eigenständigkeit und Poesie. Durch seine Bauten wurde er weltberühmt. In seinen Gebäuden vereinigt er den Respekt für den jeweiligen Ort mit einem unverwechselbaren, fast barocken Gestaltungsdrang. Er hat so viel gebaut wie kaum ein anderer, und er baut weiter. Uns interessiert nicht nur sein grosses Werk sondern auch seine Person, seine Menschlichkeit, seine Lebensphilosophie, seine Sorgen und sein politisches Engagement.

Ausstellung im Sockelgeschoss des Kulturhauses Brasilea

Die Ausstellung soll zusätzlich zu den architektonischen Werken Oscar Niemeyers auch einen Einblick in sein Leben und seine Philosophie geben. Im Eingangsbereich der Ausstellung werden zahlreiche Bücher mit vielen Informationen über Oscar Niemeyer zugänglich sein.

Das enorme architektonische Werk Oscar Niemeyers wird punktuell beleuchtet mit Zeitdokumenten und aktuellen Bildern aus Brasilien in Form einer Rauminstallation mit Bildtafeln, die einen Rückblick in verschiedene Schaffensphasen gewähren.

Die Ausstellung wird durch diese Intervention zu einem Raum von Bildern, durch die man frei und in „gefühlvollen“ Kurven flanieren kann. Zeichnungen und Skizzen, die den Entwurfsprozess aus allen Schaffensphasen des Architekten zeigen, befinden sich in diesem Raum.

Ausstellung im Hochparterre des Kulturhauses Brasilea

Im Hochparterre wird eine Installation des zeitgenössischen Künstlers Nils Nova präsentiert, die einen panoramaartigen Eindruck des Büros von Oscar Niemeyer in Rio de Janeiro vermitteln soll. Dies ist nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort, an dem er Vorträge organisiert, Freunde empfängt und sich zurück zieht.

In diesem Raum werden auch Filme gezeigt und Vorträge gehalten. An der Wand hängen Fotografien einer Portraitserie aus dem Jahr 2006 des renommierten brasilianischen Fotografen Evandro Teixeira. Die Portraits vermitteln einen Eindruck des Menschen Oscar Niemeyer im Jahr 2006 und wurden noch nie veröffentlicht.

Rahmenprogramm

Zur Abrundung und zur Vervollständigung des Bildes von Oscar Niemeyer werden in einem Rahmenprogramm an fünf Abenden Filme gezeigt und Vorträge gehalten.

Persönlichkeiten aus der Schweizer Architekturszene wie Luigi Snozzi, Annette Spiro, Max Germann, Olivia de Oliveira, Christian Kerez und Ernst Strebel werden im Rahmenprogramm Vorträge zur Modernen Brasilianischen Architektur halten.

Ergänzt wird die Vortragsreihe durch Jean Ziegler und Elisabeth Blum, die vor allem die sozialen Aspekte und gesellschaftlichen Probleme Brasiliens aufzeigen, die dem politischen Menschen Oscar Niemeyer sehr am Herzen liegen.

Die brasilianische Botschaft in Bern ist seit Beginn durch die Botschafterin Celina Maria Assumpção do Valle Pereira in das Ausstellungsprojekt mit einbezogen. Die Stiftung Brasilea möchte sich bei ihr für die grosse Unterstützung bei der Realisierung dieser Ausstellung und für die Vermittlung mit der Oscar Niemeyer Stiftung in Rio de Janeiro herzlich bedanken.

Die Ausstellung „ Oscar Niemeyer – Eine Begegnung“ wird durch Cristina Casagrande kuratiert.

Begleitet und konzeptionell unterstützt wird sie vom Architekten Remo Halter, der mit ihr Anfang dieses Jahres die Architekturreise des Bund Schweizer Architekten (BSA) nach Brasilien durchführte.

Artistas